Die 10 unverzichtbaren Orte für eine Moldawienreise — von Chișinău bis zu den Weinkellern von Cricova und Mileștii Mici.Manche Reisen plant man monatelang, andere entstehen fast zufällig. Eine Moldawienreise gehört meistens zur zweiten Kategorie.Viele kommen hierher, ohne genau zu wissen, was sie erwartet — ein paar Artikel gelesen, ein paar Fotos gesehen, etwas von den …
Moldawienreise: 10 Orte, die man gesehen haben muss

Die 10 unverzichtbaren Orte für eine Moldawienreise — von Chișinău bis zu den Weinkellern von Cricova und Mileștii Mici.
Manche Reisen plant man monatelang, andere entstehen fast zufällig. Eine Moldawienreise gehört meistens zur zweiten Kategorie.
Viele kommen hierher, ohne genau zu wissen, was sie erwartet — ein paar Artikel gelesen, ein paar Fotos gesehen, etwas von den unterirdischen Weinkellern gehört. Aber kein Bild bereitet wirklich darauf vor, was passiert, sobald man beginnt, dieses kleine Land im Herzen Osteuropas tatsächlich zu erkunden.
Moldawien versucht nicht, mit Wolkenkratzern, überfüllten Stränden oder gigantischen Bauwerken zu beeindrucken. Es überzeugt auf andere Weise: mit dem Duft von frisch gebackenem Brot in einem Dorf, mit der Stille eines in Fels gehauenen Klosters, mit dem Glas Wein, das ein Winzer einschenkt, während er die Geschichte seiner Familie erzählt.
Das ist keine simple Liste von Sehenswürdigkeiten — es ist eine Route durch zehn Erlebnisse, die die Seele einer Moldawienreise ausmachen.
1. Chișinău: die Hauptstadt, die nicht beeindrucken muss
Erwarte keine hektische Metropole. Chișinău empfängt mit großen Parks, baumbestandenen Boulevards und einer entspannten Atmosphäre, die zum Verweilen einlädt. Ein ganzer Tag lohnt sich hier: ziellos durch die Straßen schlendern, einen lokalen Markt besuchen, in einem Café sitzen und einfach das Alltagsleben beobachten. So lernt man eine Stadt wirklich kennen — und so beginnt fast jede gute Moldawienreise.
2. Orheiul Vechi: wo Natur auf Geschichte trifft
Wer in Orheiul Vechi ankommt, bleibt zuerst einfach stehen. Vor einem öffnet sich ein vom Fluss Răut geformtes Tal mit Kalksteinwänden, die einen der ältesten und faszinierendsten Orte Moldawiens bewahren. Das in den Fels gehauene Höhlenkloster wird bis heute als Gebetsstätte genutzt — doch auch wer nicht gläubig ist, wird von der Stille und der Schönheit der Landschaft berührt. Die Anfahrt von Chișinău dauert etwa eine Stunde; ein halber Tag reicht für den Besuch, wer den Sonnenuntergang über dem Tal erleben will, sollte länger bleiben.
3. Cricova: eine Stadt unter der Erde
An kaum einem anderen Ort der Welt fährt man mit dem Auto durch unterirdische Straßen mit Namen wie Cabernet, Merlot oder Sauvignon. In Cricova ist genau das möglich. Die Tunnel beherbergen Millionen Flaschen und machen diesen Weinkeller zu einem der bekanntesten Europas. Was den Besuch besonders macht, ist die Atmosphäre — kühl, still, fast zeitlos — und die historischen Sammlungen, die Jahrzehnte moldauischer Weinproduktion erzählen.
4. Mileștii Mici: der Guinness-Rekord des Weins
Wer denkt, ein Weinkeller sei nur ein Ort zur Flaschenlagerung, wird in Mileștii Mici eines Besseren belehrt. Hier befindet sich die größte Weinsammlung der Welt, verwahrt in über 200 km unterirdischer Gänge — ein Ort, den jeder Weinliebhaber mindestens einmal gesehen haben sollte, schon allein wegen der schieren Ausmaße.
5. Soroca: die Festung über dem Dnjestr
Ihre kreisförmigen Mauern scheinen der Zeit zu trotzen. Die im 15. Jahrhundert erbaute Festung Soroca schützte einst einen der strategisch wichtigsten Punkte des Fürstentums Moldau am Fluss Dnjestr. Heute bietet sie einen der eindrucksvollsten Ausblicke des Landes und lässt eine Vergangenheit voller Händler, Heere und Handelsrouten lebendig werden. Sehenswert ist auch das Viertel “Casele de Fier” mit seinen auffällig bunten Häusern — allein dafür lohnt sich ein Abstecher.
6. Castel Mimi: wo Wein auf Eleganz trifft
Castel Mimi ist weit mehr als ein Weingut. Geschichte, Architektur und Gastronomie verschmelzen hier in einem sorgfältig restaurierten Gebäude aus dem frühen 20. Jahrhundert. Die gepflegten Gärten, geführten Verkostungen und kulturellen Veranstaltungen machen es zum perfekten Ziel für alle, die einen besonderen Tag suchen — idealerweise verbunden mit einem Mittagessen im hauseigenen Restaurant.
7. Gagausien: ein anderes Moldawien
Reisen bedeutet auch, sich überraschen zu lassen. Im Süden des Landes erzählt die autonome Region Gagausien eine andere Geschichte — mit eigener Sprache, eigenen Traditionen und eigener Küche türkischer Prägung. Ein Besuch hier zeigt ein Moldawien, das die meisten Touristen nie zu Gesicht bekommen.
8. Klöster zwischen den Hügeln: Curchi, Saharna, Țipova
Curchi, Saharna und Țipova haben etwas gemeinsam: Es sind nicht einfach nur religiöse Bauwerke, sondern Orte, an denen die Zeit spürbar langsamer vergeht. Das Kloster Curchi beeindruckt mit barocker Architektur und leuchtenden Farben, Saharna mit Wäldern und einem Wasserfall, Țipova mit dem Panoramablick von den Felsen über dem Dnjestr. Ob man sich für eines der drei entscheidet oder alle in einer kleinen Tour verbindet — man kehrt mit einem Gefühl der Ruhe zurück, das lange nachwirkt.
9. Beleu: das stille Reich der Vögel
Im äußersten Süden Moldawiens, nahe der Grenze zu Rumänien und der Ukraine, verbirgt sich eine völlig andere Welt als die der Weinberge und Klöster. Der Lacul Beleu — mit rund 6 km² der größte natürliche See des Landes — bildet das Herzstück des Naturschutzgebiets „Prutul de Jos” in der Aue des Flusses Prut, das von der UNESCO als Biosphärenreservat und im Rahmen der Ramsar-Konvention international geschützt wird.
Hier lohnt sich Zeit, nicht Eile: endlose Schilfgürtel, ruhiges, flaches Wasser und über 220 Vogelarten, die hier auf ihren Zugrouten zwischen Europa und Afrika Rast machen — Reiher, Kormorane, Pelikane, Schwäne und zahlreiche seltene, geschützte Arten. Wer Vogelbeobachtung, Naturfotografie oder einfach Stille sucht, findet hier ausgeschilderte Wanderwege mit Aussichtspunkten direkt am See. Von Chișinău sind es rund 200 km — kein Ort für einen kurzen Abstecher, aber genau richtig für alle, die bei ihrer Moldawienreise auch die wildere, langsamere Seite des Landes kennenlernen möchten.
10. Țaul: ein Stück Europa im tiefen Norden
Im Norden Moldawiens, im Dorf Țaul (Bezirk Dondușeni, rund 200 km von Chișinău), liegt der größte dendrologische Park des Landes: über 46 Hektar mit schattigen Alleen, alten Baumbeständen und mehr als 150 Baum- und Straucharten aus Asien, Nordamerika und dem Kaukasus — einer der bedeutendsten botanischen Parks Südosteuropas in Bezug auf die Vielfalt der Sammlung.
Angelegt wurde der Park zwischen 1901 und 1904 vom Bankier Andrei Pommer, der den Landschaftsarchitekten Ipolit Vladislavski-Padalka mit der Gestaltung beauftragte. Im Zentrum steht bis heute das historische Herrenhaus des Anwesens im eklektischen Stil, so positioniert, dass es einen Panoramablick über den gesamten Garten bietet — eine Szenerie wie aus einem Kostümfilm.
Der Park zeigt zu jeder Jahreszeit ein anderes Gesicht: die Blütenfarben im Frühling, den kühlen Schatten im Sommer, die warmen Töne im Herbst. Vom internationalen Tourismus kaum entdeckt, ist Parcul Țaul der ideale Ort für alle, die nach Weinkellern und Klöstern einen ruhigen Moment zwischen Natur und der fast vergessenen Geschichte der großen moldauischen Landgüter suchen.
Der eigentliche Grund für eine Moldawienreise
Viele europäische Länder beeindrucken schon in den ersten zehn Minuten. Moldawien wählt einen anderen Weg — es überzeugt langsam: mit der Einfachheit seiner Menschen, dem ruhigen Rhythmus seiner Tage, dem Wert, den es seinen Traditionen beimisst, und dem zunehmend seltenen Gefühl, an einem Ort angekommen zu sein, der seine eigene Identität nicht verloren hat.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum man von einer Moldawienreise mit mehr als nur einer Fotosammlung nach Hause kommt: mit der Gewissheit, eine der letzten authentischen Ecken Europas entdeckt zu haben — und dem Wunsch, wiederzukommen.
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